15.09.2017 Bikaner

Die Fahrt nach Bikaner startet um 8 Uhr. Die Entfernung beträgt ungefähr 350 km. Die Straße ist dieses Mal erträglich, das heißt sie ist gut geteert.
Wir machen zwei Stopps für Toilettengänge. In der zweiten Gaststätte ist ein kleiner Markt angeschlossen, der allerhand Touristentrödel verkauft. Spatzi ersteht zwei wirklich hübsche Elefanten.
Wir kommen gegen 15.30 Uhr in Bikaner an und werden zuerst im Hotel abgesetzt. Zur Begrüßung wird jedem Gast eine Blumenkette aus gelben Tagetes umgehängt. Unsere Unterkunft ist ein Ressorthotel mit tollen Bungalows. Riesig und mit "Chaiselon - Fenster", die auf indische Art ausgepolstert sind mit Kissen, Rollen und Decken.
Großes Badezimmer mit Marmor ausgekleidet.
Die ganze Anlage ist in einen großen Garten gebettet und mit einem Pool versehen. Sehr schön.
Unseren restlichen Nachmittag verbringen wir in der Stadt Bikaner mit einem Spaziergang durch die quirlige Altstadt zum Junagarh Fort. Das Fort ist eine imposante Palastanlage, die nicht erhöht, sondern in die Wüste Thar 🏜 gebaut wurde. Sie ist von einer wehrhaften Mauer umgürtet und war zusätzlich von einem Wassergraben umgeben. Von außen eine wehrhafte Anlage,  reiht sich im Inneren ein Palast an den anderen, jeder von einem anderen Maharani erbaut. Jeder Palast erscheint wie aus 1001 Nacht 🌃. Die Wände sind über und über mit farbenprachtigen Fresken bedeckt, die aus dem politischen Leben seiner Herrscher erzählt, aber auch aus dem gesellschaftlichen Leben sowohl der Maharani als auch ihrer Frauen und des Personals. Man bekommt den Eindruck, dass neben dem Streben nach Reichtum und Macht auch das gesellschaftliche Leben mit Familie eine große Rolle gespielt hat.
Natürlich sollte man die gesellschaftlichen Beschränkungen, die Frauen wiederfuhren nicht unterschätzen. Frauen im Palast durften zweimal in der Woche unter Begleitung aus dem Palastgebäude. An einem Großteil des Hofleben konnten Sie nur durch die Lochfenster des Palastes teilnehmen. Die stilisierten Hände 👐 am Eingang eines jeden Forts stehen symbolisch für die  Ehefrauen der Maharani, die ihrem verstorbenen Mann in den Verbrennungstod folgen mussten. Ich habe über 40 Hände gezählt.
In dem Fort finden sich aber auch Tempelanlagen und Pavillons sowie schöne Gartenanlagen.
Im Anschluss an die Fortbesichtigung steigen wir in Tuctucs und fahren zu einem etwas entfernt liegenden Jaintempel. Tuctucs finde ich spannend, weil man mit ihnen durch die engsten Gassen von Bikaner kommt. Eng vorbei an den vielen kleinen Läden der Geschäftsstraßen. Die engen Straßen sind voller Gerüche von den Gewürzen, erfüllt von dem Geschrei der Händler, dem Gehupe der Tuctucs, die sich regelrechte Verkehrsgefechte im Überholen und Sich-Aneinandervorbeiquetschen liefern. Motorräder Schlingen aneinander vorbei und überall dazwischen Menschen, Frauen in ihren wunderschönen Saris, kleine Kinder und jede Menge Handwerker, die arbeiten oder einfach beieinander sitzen und die Zeit miteinander verbringen. Ganz zu schweigen von heiligen Kühen, die in den engen Gassen nach Futter suchen.
Der Jaintempel ist ein kleines Juwel. Von außen unscheinbar, enthüllt sich seine Pracht im Innern. Schon beim schuhlosen Betreten fällt der Blick auf die Jain-Statue, die, aus weißen Marmor gearbeitet, in einem kleinen Altarraum auf einem Marmorpodest sitzt. Der ganze Altarraum ist mit Marmorsäulen durchzogen, die Wände und Decken sind mit üppigen Fresken bemalt, welche Göttergeschichten erzählen. Der Boden besteht aus kunstvoll gestalteten Fliesen. Der Tempel ist ein erweiterter Kuppelbau, dessen Mitte von einer Lotusblume aus Marmor geziert wird.
Mit den Tuctucs geht es wieder zum Bus zurück. Unser Tuctuc versagt unterwegs seinen Dienst und wird vom Fahrer an Ort und Stelle repariert. Dann müssen wir noch 20 Minuten vor einer Bahnschranke warten. Mit 20 Verspätung kommen wir am Bus 🚍 an. Es geht zurück zum Hotel. Wir haben eine Stunde Ruhe bevor wir zu unserer abendlichen Exkursion starten. Mit einem Kamelwagen fahren wir hinaus in die Wüste in ein Nomadencamp. Dort erwartet uns ein romantisches Abendessen mit Kerzenlicht und Nomadenmusik. Das Essen hat mir nicht so gut geschmeckt. Zu europäisch gewürzt. Nach zwei Stunden Aufenthalt fahren wir mit den Kamelwagen im Stockdüsteren durch die Wüste zurück. Die Dromedare finden trittsicher ihren Weg.
Völlig übermüdet und voll von den Eindrücken des langen Tages fallen wir ins Bett.

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